Jeck Schmitz und das Scheißkerlchen

„ 4 Sommersprossen und für 20 Pfennig Rülpser, bitte“, sagte das Scheisskerlchen.

JECK SCHMITZ stand gedankenverloren hinter seinem kleinen Tresen und schaute durch die Scheibe auf die regennasse Strasse.

Das SCHEISSKERLCHEN war ein gutmütiger, kleiner Lausbub, der von den andern Kindern immer nur gehänselt wurde. Wenn sie richtig böse waren, schimpften sie ihn immer „Jens-Kevin“ oder „Arnuf-Paolo“. „Ich bin kein Jens-Kevin !!“ verteidigte sich dann das SCHEISSKERLCHEN, „Ich bin das Scheisskerlchen !“

Sein Vater, der SAFTSACK, war ein grober Gesell, und seine Mutter,

die ARME SAU, weinte viel.

Schon oft hatte das Scheisskerlchen davon geträumt, nie mehr „Jens-Kevin“ oder „Arnulf-Paolo“ genannt zu werden, aber immer klingelte der Wecker, kurz bevor der Traum zu Ende war, und das SCHEISSKERLCHEN musste zur Schule, und der Tag fing wieder von vorne an.

 

„4 Sommersprossen und für 20 Pfennig Rülpser ! Bitte !“ wiederholte das Scheisskerlchen.

„Die Rülpser sind alle“, sagte JECK SCHMITZ mit gleichgültiger Stimme.

JECK SCHMITZ war 48 Jahre alt. Er hatte in seinem Leben viel Pech gehabt.

Mit 22 hatte ihn sein ERSTESGROSSESAUTO verlassen. „Ich bin nur eben tanken“,

hatte es gesagt und war dann mit Jecks bestem Freund durchgebrannt.

Von da an beschloss JECK SCHMITZ, nie wieder ein anderes Auto zu besitzen, sondern nur noch Büdchen, Büdchen und immer wieder Büdchen. JECK SCHMITZ

war Büdchenbesitzer.

Schon oft hatte JECK SCHMITZ davon geträumt, ein Auto ganz für sich allein zu haben. Nicht schnell oder schön, nein, nur treu musste es sein. Aber immer klingelte der Wecker, kurz bevor der Traum zu Ende war, und JECK SCHMITZ musste zum Büdchen, und der Tag fing wieder von vorne an.

„Wieso sind die Rülpser alle?“ fragte das SCHEISSKERLCHEN, „gestern ist doch erst eine ganze Kiste frischer Rülpser gekommen.“

„Der SAFTSACK“, sagte JECK SCHMITZ, „war heute morgen da und hat alle geklaut.“

„Ja ja, der SAFTSACK....“, seufzte das SCHEISSKERLCHEN, „...der braucht die Rülpser nur, um die ARME SAU damit zu zanken. Am liebsten hat er Rülpser mit Fuss- oder Ballgeschmack.“ „Verd....das ist ja....“, sagte JECK SCHMITZ, „aber was kann ich dir denn jetzt statt der Rülpser anbieten ?“

Das SCHEISSKERLCHEN schaute sich im Büdchen um. Es sah die Gläser mit dem Mäusespeck, dem Rattenschinken, den Sommersprossen und den Zuckerspinnweben. Plötzlich erblickte es ein geheimnisvolles Glas.

„He ! Was ist das denn....? Da, neben den Saftsacküberraschungseiern ?“

„Ach das....“, sagte JECK SCHMITZ, „das sind Nochfünfminütchen.“

„Nochfünfminütchen ?!“ fragte das SCHEISSKERLCHEN.

„Ja, Nochfünfminütchen“, sagte JECK SCHMITZ, „aber die kannst du vergessen. Die sind zu teuer für Kinder. Die kosten 5 Mark und 13 Paar Gequetschte. Das Stück.“

„Was sind das: Nochfünfminütchen ?“ fragte das SCHEISSKERLCHEN.

„Damit kannst du morgens, wenn dein Wecker klingelt, noch 5 Minuten weiterschlafen, ohne dass die Zeit wirklich vergeht“, sagte JECK SCHMITZ, „aber die kannst du vergessen. Die sind zu teuer für Kinder.“

„He, Moment mal....“, sagte das SCHEISSKERLCHEN, „soll das heissen, mit diesen Dingern kann man morgens endlich mal zu Ende träumen ??“

JECK SCHMITZ schaute traurig. „Ach was. Dazu reichen 5 Minütchen doch niemals aus.“

„Aber in diesem Glas“, sagte das SCHEISSKERLCHEN, „sind doch mindestens tausend und eins Nochfünfminütchen. Das macht insgesamt ein Nochfünftausendunfünfminütchen !! Das ist für jeden von uns ein Nochzweitausendfünfhundertundzweieinhalbminütchen !!!“

JECK SCHMITZ hatte verstanden. „Mach sofort die Rolladen runter ! Ich schliesse für heute. Wir probieren das sofort aus ! Ich möchte einmal meinen Traum zu Ende träumen. Mach schnell !!“

Das SCHEISSKERLCHEN beeilte sich, die Rolladen runterzumachen, als plötzlich der BREITE ONKEL, der beste Freund des SAFTSACKs, mit 5 Tüten Leergut in das Büdchen wollte. „Ppppptttttttpppfffff....!“ zungenpupste das SCHEISSKERLCHEN, „wir haben heute geschlossen !“ und knallte dem BREITEN ONKEL die Türe vor der Nase zu.

Dann öffneten JECK SCHMITZ und das SCHEISSKERLCHEN das Glas mit den Nochfünfminütchen.

Sie schlossen die Augen und assen eins nach dem anderen. Sie bemerkten nicht, dass draussen vor dem Büdchen ein schönes, schnelles und treues Auto vorbeifuhr. Darin sassen Kinder. Sie sangen: „Nie wieder Jens-Kevin ! Hoch lebe das SCHEISSKERLCHEN !“

Dann wurde es auch bald Nacht.